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Kulturelles Überleben

veröffentlicht am 21. Juni 2020

Das kulturelle Leben erwacht nach der Zwangspause. Aber was bedeutet die Corona-Krise für die zukünftige „Artenvielfalt“ im Kulturprogramm? Haben gerade die kleinen Angebote nach den Einbußen noch Überlebenschancen? Eine Einschätzung von Gabriele Wachholtz, Vorsitzende vom Freundeskreis Schloss Gottorf e. V.

Gabriele Wachholtz: Für die Kleinen – Einzelunternehmer und freischaffende Künstler – wird es ganz, ganz mühsam und ihre Lobby ist bei Weitem nicht so stark wie die der Wirtschaft. Ohne öffentliche Unterstützung werden sie es nicht schaffen. So haben wir als Freundeskreis Schloss Gottorf als erste Maßnahme an den Landeskulturverband SH gespendet und im zweiten Schritt eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Gegen eine Spende von 25 Euro haben wir einen besonderen Jubiläumskatalog versendet und so bislang über 5.000 Euro zusammengetragen, darunter viele zusätzliche spontane Spenden. Darauf bin ich ebenso stolz wie auf unsere Mitglieder, von denen kein einziges ausgetreten ist, obwohl der freie Eintritt in unsere Museen nicht genutzt werden konnte!

Was braucht es jetzt – politisch und gesellschaftlich – für eine Wiederbelebung der kulturellen Szene?

Gabriele Wachholtz: Politisch Förderungen und finanzielle Hilfen, gesellschaftlich auf jeden Fall eine große Portion Solidarität! Wer es sich leisten kann, sollte z. B. darauf verzichten, sich das Geld für Karten zurückgeben zu lassen, oder das Honorar an bereits gebuchte Künstler schon auszahlen, auch wenn sich die Veranstaltung verschiebt. Ein ebenso wichtiger Beitrag ist es, Angebote in der Nähe bewusst zu unterstützen, beispielsweise kleine Töpfereien. Hier lohnt sich ein Blick auf die Internetseite keramik-atlas.de.

Funktioniert Kultur auch digital? Wenn ja, wie und welche Formate finden Sie hier am zukunftsweisendsten?

Gabriele Wachholtz: Ja und nein. Es gibt inzwischen tolle Möglichkeiten wie Livestreams und virtuelle Rundgänge oder die Digitalisierung von Archiven, die sowohl den Zugang zu Angeboten als auch die Zusammenarbeit von Kulturinstituten erleichtern. Gleichzeitig wird das alles natürlich nie das Erleben mit allen Sinnen ersetzen können.

Im Hinblick auf die Einschränkungen der vergangenen Monate: Ist Kultur ein Luxus, den man temporär entbehren kann?

Gabriele Wachholtz: Auf keinen Fall, wir Menschen brauchen Kultur! Das zeigt auch die große Nachfrage nach Musik, Filmen und Büchern in den letzten Wochen, da die Menschen durch die viele Zeit sogar mehr Muße hatten, sich damit zu befassen. Ich würde sagen, das Bewusstsein für die Bedeutung von Kultur ist eher gewachsen.

Können Sie der Krise neben allem Zerstörerischen auch etwas Schöpferisches abgewinnen?

Gabriele Wachholtz:  Jede Krise hat etwas Nachhaltiges. Viele Opfer, Ausgehverbote, leere Regale … Das hat Schrecken verbreitet und gleichzeitig geerdet. Die Auseinandersetzung damit wird bei Künstlern umso intensiver stattfinden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Impulse von Tragödien für das kulturelle Schaffen oft stärker waren als die von schönen Ereignissen.